Wie hoch ist Ihr persönliches Risiko, an Karies oder Parodontose zu erkranken?
Bakterien spielen die Hauptrolle bei der Entstehung von Karies und Parodontitis. Unter den Hunderten von Bakterienstämmen in der Mundhöhle sind viele nützlich und notwendig. Einige verursachen dagegen bevorzugt Karies und andere treten im Zusammenhang mit Zahnfleischerkrankungen auf.
Die klassische zahnärztliche Behandlung beseitigt nur die Schäden. Heute versuchen wir Zahnärzte zunehmend, Ihnen durch vorbeugende Behandlung (Prophylaxe) Probleme mit den Zähnen zu ersparen.
Einige Patienten leiden heftig unter Karies und Zahnfleischerkrankungen, andere Patienten haben keine oder geringe Probleme. Durch folgende Testmethoden kann Ihr Zahnarzt feststellen, wie groß das Erkrankungsrisiko zur Zeit bei Ihnen ist:
1) Speicheltest
Der Speichel sorgt für die Selbstreinigung der Zähne und neutralisiert Säuren, die sonst den Zahnschmelz angreifen. Ist der Speichelfluss erniedrigt, werden die Zähne nicht genug umspült. Bakterien und Speisereste bleiben eher kleben und können mehr Schaden anrichten.
1.1) Speichelmenge
Der Patient muß fünf Minuten auf einem Stück Paraffin kauen. Dadurch wird der Speichelfluss angeregt. Der Speichel wird in einem Glas gesammelt. Dadurch läßt sich die Speichelfließrate ermitteln (zum Beispiel 5ml in fünf Minuten = 1ml pro Minute). Eine Fließrate unter 0,7 ml/min wird als sehr gering angesehen.
Außerdem kann die Speichelmenge gemessen werden, die sich ohne Kauen ansammelt, den „Ruhespeichel“. Hier ist die Fließrate geringer.
1.2) Pufferkapazität
Unter „Pufferkapazität“ versteht man die Fähigkeit des Speichels, Säuren zu neutralisieren. Ein Teststreifen wird mit einem Tropfen Ihres Speichels benetzt. Der Streifen zeigt durch Farbveränderung die Pufferkapazität des Speichels an.
2) Bakterientests
2.1) Kariesrisiko-Test
Bakterien produzieren aus Nahrungsbestandteilen (Kohlenhydrate, das sind vornehmlich Zucker) Säuren, die den Zahnschmelz anlösen können. Als besonders zahnschädigend gelten „Mutans Streptokokken“ und „Laktobazillen“.
Diese Bakterien können mit relativ einfachen Mitteln nachgewiesen und in Ihrer Häufigkeit bestimmt werden.

Dazu wird im Mund ein Abstrich genommen.
Dieser wird entweder zwei Tage lang in einem Brutschrank in der Praxis aufbewahrt oder, bei einem anderen Präparat, zu einem Laborarzt geschickt. Dieser kann nach fünf Tagen die Art und die Anzahl der Bakterien sehr genau feststellen.
Im Zusammenhang mit dem Zustand der Zähne und den Eigenschaften des Speichels (siehe 1) können wir Zahnärzte das Kariesrisiko bewerten und geeignete Pflege- und Hygienemaßnahmen zu Hause und in der Praxis mit Ihnen besprechen.
2.2) Parodontitisrisiko-Test
Unter Parodontitis versteht man eine Entzündung des Zahnhalteapparates (Zahnfleisch). Sind tiefe Zahnfleischtaschen vorhanden - dann geht auch der Halt der Zähne im Knochen verloren - findet man bestimmte Bakterienarten vermehrt vor. Sind diese Bakterienarten in den Zahnfleischtaschen vorhanden ist demnach das Risiko sehr hoch, Zähne durch Lockerung zu verlieren.
Zum Nachweis wird eine sterile Papierspitze in die Zahnfleischtasche eingetaucht, nachdem der Zahn oberflächlich gut gereinigt wurde. Nach einer Untersuchung der Probe bei einem Laborarzt erhält der Zahnarzt drei bis zehn Tage später (je nach Testhersteller) eine ausführliche Darstellung der gefundenen Keime. Er kann dann mit Ihnen besprechen, ob und welche Behandlung folgen sollte und ob der Einsatz von Medikamenten (Desinfektionsmittel oder Antibiotika) notwendig ist.
Eine andere Möglichkeit zum Nachweis der „Parodontitis“-Bakterien ist ein Test, der die Abfallstoffe dieser Bakterien nachweist – bestimmte „Enzyme“. Ein grober Überblick läßt sich damit bereits innerhalb 15 Minuten direkt am Behandlungsstuhl gewinnen.
Die Kosten dieser Tests von ungefähr DM 120 bis DM 200 müssen sozialversicherte Patienten selber tragen, auch von privaten Versicherungen werden die Kosten nicht unbedingt vollständig übernommen.
Je größer die Anzahl der schädlichen Bakterien ist, desto eher kommt es zu Karies oder Parodontitis. Die Zahnreinigung zu Hause in Zusammenhang mit der „professionellen“ Zahnreinigung in der Praxis Ihres Zahnarztes sorgt dafür, daß möglichst wenige Bakterien an Zahn und Zahnfleisch Schäden anrichten. Mit den Testergebnissen haben wir Zahnärzte mehr Sicherheit, Ihnen die Pflege und Behandlung zu empfehlen, die für Sie richtig ist. Zusätzlich zu Pflege und Behandlung werden wir Ihnen bei Bedarf vorschlagen, die Ernährung zu variieren oder mit bestimmten Medikamenten Ihren Körper bei der Bekämpfung der Bakterien zu unterstützen.
Text: Dr. L. Weber / W. Dammasch